KARO

Karo Agenda 2009: London Pubs. Mit Texten von Jeffrey Bell, London.
15. Jahrgang



Vorwort von Peter Stohler, Zürich
Jedermann könnte Bier ganz ungestört zu Hause trinken. Doch der Bierkonsum in den eigenen vier Wänden macht in Grossbritannien offenbar weniger Spass als in den öffentlichen Trinkstuben. Denn das Pub bietet mehr: das Eintauchen in ein ganz spezielles, rückwärtsgewandtes Ambiente, und dazu eine quasi rituelle Verbrüderung mit mittrinkenden Gleichgesinnten. Die Pub-Einrichtung muss in den Augen von Liebhabern des Hochglanz-Designs wie provokatives Anti-Styling anmuten.

Mit ihren düsteren Oberflächen strahlt die Pub-Welt eine gewisse dumpfe Gemütlichkeit aus und erinnert mit ihren exotisch-musealen Requisiten an Kuriositätenkabinette: Geheimnisvoll gemusterte Tapeten, Düfte von Jahrzehnten speichernde Vorhänge, speckig gestrichene Holztäferungen, klebriges Kunstleder, abgeschossene Goldrahmen, fahles Licht. Die absolute Steigerung bietet eine mumifizierte Katze, wie sie im Londoner East End bei Dirty Dick’s zu bestaunen ist. Das ist eine Gegenwelt zur properen, globalen Designerästhetik, die sich heutzutage auch in London unaufhaltsam ausbreitet.

Diese schaurig-schöne Gegenwelt wurde von Susan Knapp mit Sinn für Details fotografisch festgehalten, während Jeffrey Bells Geschichte und Gegenwart der Londoner Pubs in Worte fasst. Dass in diesem ganz besonderen Ambiente auch ganz spezielles Bier – sogenanntes Real Ale – gezapft wird, belegen die Heimbrauerin/Herausgeberin und der Bierjournalist mit ihren Empfehlungen von so exotischen Bier-Spezialitäten wie Adnams Bitter oder Fuller’s London Pride. Wohl bekomms!

(Red.) Jeffrey Bell ist Beizer bei The Gunmakers, am 13 Eyre Street Hill in Clerkenwell. Sie servieren exzellente Real Ale (frisch vom Fass), Speisen und Weine. Nur am Werktage geöffnet. Sehr empfehlenswert!

> The Gunmakers



The Seven Stars
Lauscht man hier unaufällig den Gesprächen anderer Gäste, bekommt man früher oder später sicher zu hören, wie ein Anwalt mit seinem jüngsten Plädoyer vor dem nahegelegenen Gericht, den Royal Courts of Justice, prahlt. Dabei sollte man aber sein Glas im Auge behalten, sonst schleicht sich womöglich heimlich Tom Paine, der Hauskater, heran und macht sich am Bier zu schaffen. Die Wirtin Roxy Beaujolais ist eine bekannte Köchin und eine beliebte Gastgeberin, die die ausgezeichnete Bierauswahl auf ihre Speisekarte abstimmt. Das Pub stammt noch aus der Zeit vor dem grossen Londoner Brand von 1666, den es im Gegensatz zu den meisten umliegenden Häusern unbeschadet überstand. Berühmt-berüchtigt ist das enge Treppenhaus, das schon manchem unachtsamen und/oder beschwipsten Gast zum Verhängnis geworden ist.





The Seven Stars, 53–54 Carey Street, Holborn WC2A 2JB, Telephone 020 7242 8521
Monday–Friday 11:00–23:00, Saturday 12:00–23:00, Sunday 12:00–22:30
Underground station: Temple
Suggested cask conditioned ale: Dark Star Hophead from Hayward’s Heath, West Sussex




The Jerusalem Tavern
Beim ersten Besuch in diesem Pub glaubt man sich in die Zeiten von Dr. Samuel Johnson im 18. Jahrhundert zurückversetzt. Dabei stammt die echt wirkende Innenausstattung lediglich aus den 1990er Jahren. Als die Brauerei St. Peter’s aus Suffolk beschloss, in London ein Pub zu eröffnen – ihr einziges in der Hauptstadt – entschied sie sich, ein altes Haus im Stil einer typischen Londoner Kneipe zu renovieren. Der Name kommt vom kleinen Kloster St. John of Jerusalem, das um die Ecke liegt und durch eine schmale Gasse zu erreichen ist. Das Pub hat eine grosse Auswahl an Bieren im Angebot, unter anderem sechs verschiedene Fassbiere, von denen manche mit traditionellen Gewürzmischungen veredelt werden.





The Jerusalem Tavern, 55 Britton Street, Clerkenwell EC1M 5UQ
Telephone 0207 490 4281, www.stpetersbrewery.co.uk
Opening hours: Monday–Friday 11:00–23:00 (closed weekends)
Underground station: Farringdon
Suggested cask conditioned ale: St Peter’s Mild from Bungay, Suffolk




The Betsey Trotwood
Während die meisten Bands heute in TV-Shows entdeckt werden, sind in Betseys Kellerbar nur Musiker und Musikerinnen zu sehen, die sich im alten Stil einen Namen gemacht haben, d.h. sie haben sich von unten hoch gespielt. Der Raum fasst zwar nur 50 Personen, die Musiker, die hier auftreten, könnten aber ganze Säle füllen. Der Reiz eines Gigs in einer solch intimen Atmosphäre hat in letzter Zeit auch Grössen wie Kate Nash, Keane oder die Magic Numbers angezogen. Im Obergeschoss gibt es zu passender Musik fünf offen ausgeschenkte Biersorten. Das Pub ist nach einer Figur von Charles Dickens benannt. Betsey Trotwood war David Copperfields Grosstante, eine schwierige, Furcht erregende Frau, wie ihr Bild auf dem Pubschild in der belebten Farringdon Road bezeugt.





The Betsey Trotwood, 56 Farringdon Road, Clerkenwell, EC1R 3BL
Telephone 020 7253 4285, www.thebetsey.com
Monday–Thursday 12:00–23:00, Friday–Saturday 12:00–00:30
Underground station: Farringdon
Suggested cask conditioned ale: Shepherd Neame Bishop’s Finger from Faversham, Kent




The Harp
Wer der aufdringlichen Glitzerwelt des West Ends entfliehen will, findet im Harp einen gemütlichen Zufluchtsort. Der Name Harp deutet auf walisische Wurzeln hin, aber heute wird das Pub von einer irischen Dame mit einer rein weiblichen Belegschaft geführt. Ölgemälde berühmter Schauspielerinnen und Schauspieler – darunter ein Bild vom jungen James Mason – zieren die Wände. Die Hocker an der Bar sind begehrte Plätze, um die zu kämpfen es sich lohnt, denn die meisten Gäste müssen eng gedrängt im kleinen Raum stehen; ihr Trost ist das Pint in der Hand. Überall an der Wand sind alte, teilweise vergilbte Bierschilder zu sehen, die in englischen Pubs die Zapfhahnen schmücken. Sie zeugen vom breiten und täglich wechselnden Angebot an Bieren aus allen Landesteilen.





The Harp, Chandos Place, Covent Garden WC2N 4HS, Telephone 020 7836 0291
Monday–Saturday 11:00–23:00, Sunday 12:00–22:30
Underground station: Leicester Square
Suggested cask ale: Black Sheep Bitter from Masham, North Yorkshire




The Grenadier
Schlendert man durch Milton Ewes an den Häusern der Superreichen vorbei, kommt man sich schon etwas als Eindringling vor, doch gleich hier um die Ecke steht ein wunderschönes Pub: The Grenadier. Das knallrote Wachhäuschen vor dem Eingang passt natürlich zum strammen britischen Grenadier. Einige Stufen führen in die winzige Bar. Alles hier ist unbeschreiblich eng, die vordere Bar ebenso wie die beiden hinteren, opulent ausgestatteten Räume, die als Restaurant dienen. Eine der Attraktionen ist der alte, aus Zinn gefertigte Tresen in der Bar. An den Wänden hängen militärische Sammelstücke, ein weiterer Hinweis auf dem Umstand, dass das Haus früher als Offizierskasino der Grenadiere des Herzogs von Wellington diente.





The Harp, Chandos Place, Covent Garden WC2N 4HS, Telephone 020 7836 0291
Monday–Saturday 11:00–23:00, Sunday 12:00–22:30
Underground station: Leicester Square
Suggested cask ale: Black Sheep Bitter from Masham, North Yorkshire




Ye Olde Cheshire Cheese
Als Attraktion überbietet der Keller dieses Lokals sogar die dunkeln Täfer der Gaststube. Das Gewölbe soll zu einen Karmelitenkloster aus dem 13. Jahrhundert gehören, das einst hier stand. Die gesamte Gegend wurde 1666 durch den Grossen Brand von London zerstört. Ein Jahr später wurde hier das Ye Olde Cheshire Cheese erbaut. Fünfzehn Monarchen hat das Wirtshaus inzwischen überlebt; die Namen der Könige und Königinnen sind rechts vom Haupteingang aufgelistet. Im Untergeschoss hängt ein Foto aus den 1920er Jahren, das exakt an derselben Stelle aufgenommen wurde. Seine Botschaft ist deutlich: hier ändert sich nichts! Eine kleine Warnung: Hier gibt es fast kein natürliches Licht. Die Düsterkeit hat jedoch ihren eigenen Reiz.





Ye Olde Cheshire Cheese, 145 Fleet Street, City of London EC4A 2BU, Telephone 020 7353 6170
Monday–Friday 11:00–23:00, Saturday 12:00–23:00, Sunday 12:00–17:00
Underground station: Blackfriars
Suggested cask conditioned ale: Samuel Smith’s Old Brewery Bitter from Tadcaster, North Yorkshire




The Crown Tavern
Wladimir Iljitsch Lenin hat dieses Pub bestimmt gekannt, denn während seines Aufenthaltes in London 1905 arbeitete er nur wenige Schritte davon entfernt an der Clerkenwell Green 37a. Manche behaupten, er und der junge Stalin hätten sich hier zum Mittagessen getroffen, aber diesen Anspruch erheben auch noch andere Pubs in der Gegend. Mit Sicherheit gab es aber früher im Obergeschoss ein Varieté, das Apollo Theater. Heute zeichnet sich das Pub durch eine Mischung aus modernem Shabby Chic und viktorianischem Glamour aus. Vom Grün in Clerkenwell Green ist wegen des vielen Betons und der parkierten Fahrzeuge nicht mehr viel zu erkennen, trotzdem kann man sich gut vorstellen, dass dieser Ort einst den Kern eines hübschen kleinen Dorfes bildete. Die Crown Tavern steht im Herzen dieses wiederbelebten, historischen Teils von London.





The Crown Tavern, 43 Clerkenwell Green, Islington EC1R 0EG, Telephone 020 7253 4973
Monday–Thursday & Sunday 12:00–00:00, Friday–Saturday 12:00–1:00
Underground station: Farringdon
Suggested cask conditioned ale: Timothy Taylor’s Landlord from Keighley, West Yorkshire




Cittie of Yorke
Was heute als schräges In-Pub wirkt, gilt morgen vielleicht schon als architektonisches Juwel. Das Cittie of Yorke wurde im frühen 20. Jahrhundert im Stil eines Tudor-Bankettsaals gebaut. Leere Fässer, kleine Nischen und eine Galerie für die Hofsänger schaffen eine mittelalterliche Atmosphäre, die es in dieser Form wohl nie gegeben hat. Täglich drängen sich Horden von Büroangestellten an die lange Bar, ruhig ist es nur während der ersten Minuten nach Türöffnung. In der Mitte des Saals befindet sich eine rauchfreie Feuerstelle. Der Rauch wird über ein ausgeklügeltes Abzugssystem via Fussboden durch die Wände und einen Dachkamin ins Freie geleitet. Diese technische Meisterleistung stammt von heute, wie auch die gesamte Innenausstattung des Pubs.





Cittie of Yorke, 22 High Holborn, Holborn WC1V 6BS, Telephone 020 7242 7670
Monday–Saturday 11:00–23:30
Underground station: Chancery Lane
Suggested cask conditioned ale: Samuel Smith’s Old Brewery Bitter from Tadcaster, North Yorkshire




Ye Olde Mitre
Ye Olde Mitre ist schwierig zu finden. Es liegt versteckt in einem kleinen Gässchen in der Nähe der alten Juwelierläden von Hatton Garden. Die Eingangstür ist nur durch ein Metallschild in Form einer Bischofsmütze zu erkennen. Das Gebäude wurde 1547 auf dem Gut des Bischofs von Ely als Wohnhaus für die Angestellten gebaut. Der Strunk eines Kirschbaums, heute in einer Vitrine ausgestellt, markierte einst die Grenze der Diözese. Aufgrund ihrer Verbindung zur Abtei Ely gehörten das Pub und die umliegenden Häuser bis ins späte 20. Jahrhundert zur Grafschaft Cambridgeshire, was zur Folge hatte, dass betrunkene Streithähne von der Polizei in den Zug gesetzt und zur Aburteilung nach Cambridge verfrachtet wurden.





Ye Olde Mitre, 1 Ely Court, Holborn, EC1N 6SJ, Telephone 020 7405 4751
Monday–Friday 11:00–23:00 (closed weekends)
Underground station: Chancery Lane
Suggested cask conditioned ale: Caledonian Deuchars IPA from Slateford, Edinburgh




The Ten Bells
Originelle Pub-Namen sind fast so besonders wie die historischen Gebäude, die sie kennzeichnen. Ein Glück, dass das Ten Bells seinen alten Namen zurückerhalten hat, nachdem es für kurze Zeit in Jack the Ripper umgetauft worden war. Vielleicht sollte man den vorhergehenden Besitzern den kleinen Ausrutscher verzeihen, denn hier traf der mutmasslich aristokratische Bösewicht 1888 auf eines seiner Opfer. Am Dekor fällt besonders ein Wandbild aus Keramik auf, das eine Strassenszene aus dem 18. Jahrhundert zeigt. Die Bar besteht heute aus einem einzigen Raum, der immer freitagabends zum Beben gebracht wird, wenn ein DJ auflegt. Die Möbeleinrichtung ist kunterbunt und etwas schäbig, dem jungen Publikum angepasst, das den Shoreditch Distrikt heute fest im Griff hat.





The Ten Bells, 84 Commercial Street, Spitalfields E1 6LY, Telephone 020 7366 1721
Monday–Thursday & Sunday 12:00–24:00, Friday–Saturday 12:00–1:00
Underground station: Liverpool Street
Suggested cask ale: Wells Bombardier from Bedford, Bedfordshire




The Florence
Dieses Braupub im grünen Herne Hill ist topmodern, folgt jedoch einer ganz alten Tradition, was zeigt, wie der Schein trügen kann. In früheren Zeiten brauten die meisten Gaststätten ihr eigenes Bier, von der Sudpfanne zum Zapfhahn waren es höchstens ein paar Meter. Heute lebt diese Tradition in einigen wenigen Lokalen wieder auf, unter anderem im The Florence. Hinter einer Glasscheibe ist ein Maischbottich zu sehen. An Brautagen kann man einem der jüngsten Braumeister des Landes beim Aufkochen der Bierwürze zuschauen, aus der am Ende ein goldenes, würziges Ale entsteht. Das Bier, im Keller gegoren und gereift, wird an der imposanten Bar in der Mitte des Raumes gezapft und ausgeschenkt. In der offenen Küche gegenüber steht der Koch und versucht die Leistung des Braumeisters zu überbieten.





The Florence, 133 East Dulwich Road, Herne Hill SE24 0NG, Telephone 020 7236 4987
Monday–Thursday 11:00–00:00, Friday 11:00–1:30, Saturday 10:00–1:30, Sunday 10:00–00:00
Underground station: Brixton, Thameslink: Herne Hill
Suggested cask conditioned ale: Weasel, brewed on site




Dirty Dick’s
Traditionalisten verfolgen Renovationen alter Pubs üblicherweise mit grossem Misstrauen. Dies ist nicht in allen Fällen angebracht. Dirty Dick’s ist so ein Fall. Der Name bezieht sich auf Nathaniel Bentley, einen Eisenhändler. Der Legende nach verstarb seine Verlobte in der Nacht vor der Hochzeit. Untröstlich verriegelte der Bräutigam den Raum, der bereits für das Hochzeitsmahl gerichtet war, und öffnete ihn nie wieder. Er trauerte bis an sein Lebensende, wusch sich nicht mehr und wechselte nie die Kleider. Der makabre Nachlass des Hauses – eine Ansammlung von Ramsch und toten Katzen – endete als Dekoration dieses Pubs in Bishopsgate. Bis Ende der 1980er Jahre war er dort in unverändertem Zustand zu bestaunen. Dann beschlossen die Besitzer, das Lokal einer gründlichen Reinigung zu unterziehen. Einige wenige Stücke blieben erhalten.





Dirty Dick’s, 202 Bishopsgate, Spitalfields EC2M 4NR, Telephone 020 7283 5888, www.dirtydicks.co.uk
Monday–Thursday 11:00–00:00, Friday–Saturday 11:00–1:00, Sunday 11.00–22:30
Underground station: Liverpool Street
Suggested cask conditioned ale: Young’s Bitter from Bedford, Bedfordshire




The Royal Oak
Samstags füllen sich die Pubs nach Türöffnung um 18 Uhr innerhalb von wenigen Minuten. Das Royal Oak zählt zu den besten Londoner Pubs und ist die einzige Gaststätte im Besitz der berühmten Harvey Brauerei aus Lewes in Sussex. Dieses Lokal ist nie der Mode gefolgt, elegante Pubs in Trinkhallen umzubauen, und behielt die alten Abtrennungen bei. Der vordere Teil mit seinem alten Holzboden bietet genügend Raum für die Stehtrinker, während die ruhige Lounge Bar im hinteren Teil mit weichen Teppichen und eleganten Möbeln ausgestattet ist und sich für ein gediegenes Essen eignet. Es gibt sogar noch eine tap and jug Stelle, wohin früher Frauen oder Kinder hinkamen, um Bier für den Durst zu Hause zu holen, aber diese Tradition ist schon längst gestorben.





The Royal Oak, 44 Tabard Street, Borough SE1 4JU, Telephone 020 7407 0043
Monday–Friday 11:00–23:00, Saturday 18:00–23:00, Sunday 12:00–17:00
Underground station: Borough
Suggested cask ale: Harvey’s Sussex Best Bitter from Lewes, East Sussex




The Lamb Tavern
In viktorianischer Zeit war man sehr auf Privatsphäre bedacht. Wohlhabende Pub-Gäste hatten es nicht gern, wenn ihnen das Personal beim Trinken zusah, weshalb es sogenannte Snob-Blenden gab, drehbare, blickdichte Trennwände aus Holz und Glas, welche die Gäste abschirmten. The Lamb ist eines der letzten Pubs, das eine solche Originalvorrichtung hat. Anstatt Blickkontakt mit dem Barmann kann man einst berühmte Schauspieler und Schauspielerinnen bewundern, die als Bilder die Wände schmücken. Einer übergrossen Mahagoni-Spieldose neben der Türe lassen sich Melodien wie An der schönen Donau entlocken, solange man eine entsprechend grosszügige Spende zugunsten des nahegelegenen Kinderspielplatzes Coram’s Fields leistet.





The Lamb Tavern, 94 Lamb’s Conduit Street, Bloomsbury WC1N 3LZ, Telephone 020 7405 0713
Monday–Saturday 12:00–23:00, Sunday 12:00–16:00, 19:00–22:30
Underground station: Russell Square
Suggested bottle conditioned ale: Young’s Special London Ale from Bedford, Bedfordshire




The Holly Bush
Das Wachstum Londons verschluckte viele der umliegenden Dörfer. Hampstead war eines davon, doch dieser Stadtteil hat viel von seinem dörflichen Charme bewahren können. Der Weg zum Holly Bush führt über eine steile Treppe, vorbei an kleinen Cottages, die eng aneinander gebaut am Hang liegen. Das Pub diente ursprünglich als Stall und wurde erst im frühen 19. Jahrhundert zu einer Gaststätte umfunktioniert. Als eines der letzten wurde es mit Gas beleuchtet. In der Wirtschaft liegen viele Bücher und Zeitschriften herum, so dass sich der Gast bei einem gemütlichen Pint zugleich auch weiterbilden kann. Auffallend ist das Bild der Watforder Brauerei Benskins, die 1972 schliessen musste.





The Holly Bush, 22 Holly Mount, Hampstead NW3 6SG, Telephone 020 7435 2892, www.hollybushpub.com
Monday–Saturday 12:00–23:00, Sunday 12:00–22:30
Underground station: Hampstead
Suggested cask conditioned ale: Adnams Broadside from Southwold, Suffolk




The Grapes
Nur der Name Docklands erinnert daran, dass hier einst das Hafengelände der Stadt war. Heute schmücken glitzernde Apartmentblöcke und die Wolkenkratzer von Canary Wharf die historische Gegend. Nur ein so berühmtes Haus wie The Grapes konnte diesen Modernisierungsansturm überstehen. Charles Dickens kannte das Pub sehr gut, weil er hier als Junge zur Unterhaltung der Gäste auf den Tischen tanzen und singen musste. In seinem Roman Our Mutual Friend hat er das Wirtshaus unter dem Namen The Six Jolly Fellowship Porters aufleben lassen, vielleicht, um die bösen Geister seiner Kindheit zu vertreiben. Die hintere, obere Terrasse, die man über eine enge Treppe erreicht, liegt direkt über dem Ufer der Themse: ein idealer Ort zum Fisch essen.





The Grapes, 76 Narrow Street, Limehouse E14 8BP, Telephone 020 7987 4396
Monday–Thursday 12:00–15:00, 17:30–23:00, Friday–Saturday 12:00–23:00, Sunday 12:00–22:30
Underground station: Limehouse
Suggested cask ale: Adnams Bitter from Southwold, Suffolk




The George Inn
Früher waren Pferdekutschen das beliebteste Verkehrsmittel für Reisen über Land. Im 19. Jahrhundert wurden die Kutschen durch die Eisenbahn verdrängt, die sich vom Nordosten Englands aus die ganze Welt eroberte. Das George Inn war eine typische Postherberge, bis es zu einem Depot der Great Northern Railway umfunktioniert wurde. Jetzt ist das Gasthaus in altem Glanz auferstanden. Es ist das einzige Pub in England, das vom National Trust (Gesellschaft zum Schutz des historischen Erbes) geschützt und geführt wird. Im Sommer ist vor allem der mit Kopfsteinpflaster ausgestattete und von einer alten Holzgalerie umgebene Innenhof sehr beliebt. Innen zwängt sich die Bar in einen engen Korridor. Der schönste Teil ist aber wohl die Old Bar im ehemaligen Warteraum der Poststation. Die Atmosphäre lädt zu einer Zeitreise bei einem gemütlichen Bier.





The George Inn, 77 Borough High Street, Southwark SE1 1NH, Telephone 020 7407 2056
Monday–Saturday 11:00–23:00, Sunday 11:00–22:30
Underground station: London Bridge
Suggested cask ale: George Ale, brewed for the pub by Adnams in Southwold, Suffolk




The Dove Inn
Mit knapp 2.14 Meter Länge und 1.27 Meter Breite gilt die Nebenbar im Dove Inn als der kleinste Pub-Tresen in ganz Grossbritannien. Historische Quellen zeigen, dass dieses berühmte Pub am Ufer der Themse zunächst als The Doves Coffee House eröffnet wurde und Anfang des 19. Jahrhunderts auf den Ausschank von Bier umstellte. Hammersmith war zu jener Zeit noch ein Dorf, weit vom Lärm der damaligen Cities Westminster und London entfernt. George Izzard, der das Pub zwischen 1931 und 1965 führte, hat eine spannende Autobiographie verfasst, deren Titel One for the Road (sinngemäss: das letzte Bier vor der Polizeistunde) dem Inhalt leider nicht gerecht wird. Im Buch verrät Izzard einige Details über berühmte Gäste. Alec Guiness zum Beispiel bevorzugte das dunkle Bier aus Dublin, das seinen Namen trägt, während Dylan Thomas eine Mischung aus Bitter und mildem Ale vorzog.





The Dove Inn, 19 Upper Mall, Hammersmith W6 9TA, Telephone 020 8748 9474
Monday–Saturday 11:00–23:00, Sunday 12.00–22:30
Underground station: Ravenscourt Park
Suggested cask ale: Fuller’s ESB (Extra Special/Strong Bitter) from Chiswick, London




> British Guild of Beer Writers